Welch eine Aufregung

von Martina Jansen (Kommentare: 0)

Welch eine Aufregung

Welch eine Aufregung

Ständig klingelte es an der Tür, der Briefkasten lief seit Tagen über vor Glückwunschkarten, auf der Facebookseite der Lokallust ein Bericht mit Unmengen an Likes und gegen frühen Abend, als man denkt „geschafft“, da kommt der Bürgermeister höchst persönlich vorbei.

Gnadenhochzeit, was vor 70 Jahren am 02. August auf Norderney mit einem „Ja füreinander“ begann, wurde nun groß gefeiert.

„Mit so viel Besuch haben wir nun wirklich nicht gerechnet und dann auch der Bürgermeister ganz persönlich, nett ist der“, sagen Edith und Emil Remmers, die mit unserem Herrn Stockhoff ausgiebig über gute und schlechte Zeiten und über Emil´s Heimat Norderney geplaudert haben.

„Es liegen so manch schwere Zeiten hinter uns“ sagt Edith Remmers und ihr Mann ergänzt, „aber wir haben immer das Beste daraus gemacht“.

Bürgermeister Stockhoff überbringt nebst seiner Bewunderung auch ein Geschenk und Urkunden, die eine stellvertretend für den Landrat Cay Süberkrüb. Er erzählt, dass er frisch aus dem Urlaub gekommen ist und sich die Bilder aus einem früheren Artikel angeschaut hat. „Wissen Sie, liebe Eheleute Remmers, wenn ich mit meiner Partnerin nach so vielen Jahren auch noch so verliebt schaue, dann weiß ich, dass wir alles richtig gemacht haben“. Alle lachen und die beiden „Alten“ machen dem Bürgermeister Mut, eigentlich ist das gar nicht so schwierig, man muss nur zusammenhalten.

 

Stolz sind sie und bescheiden! Stolz, dass sogar der Bundespräsident schriftlich seine Glückwünsche übermittelt, „wir sind doch nur einfache Leute, wie kommt er nur dazu, woher weiß er das eigentlich“ und zeigen dem Bürgermeister das Anschreiben.

Als klar wird, dass das Jubelpaar abends noch im kleineren Kreis essen gehen möchte, verlässt der Gratulant die beiden, natürlich nicht ohne Erinnerungsfotos.

Am Samstag dann die große Feier, über 40 Personen sind teils viele Kilometer gefahren um mit den beiden zu feiern. Und alle haben das Anschreiben des Bundespräsidenten zu sehen bekommen, Emil Remmers hat es vorher noch eingerahmt, damit es nicht zerknittert, wenn die Gäste es sich anschauen.

Die Überraschung, mit der Kutsche abgeholt zu werden, ist buchstäblich ins Wasser gefallen, zu stark hat es geregnet. Der Kutscher, der tags zuvor alles mit Liebe vorbereitet hat, ist auch enttäuscht, versichert jedoch, die Fahrt bei passendem Wetter nachzuholen. Darauf freuen sie sich schon, denn damals, vor 70 Jahren fuhren sie auf Norderney ebenfalls mit der Kutsche zur Trauung.

Nach dem fantastischem Essen ging es in die Kapelle im Seniorenzentrum St. Laurentius. Der Diakon Burkhard Altrath und sein freundlicher Helfer an diesem Tag waren eingeweiht, dass das „Brautpaar“ gesanglich von Frank Wolthaus mit dem Lied „Ich tanze mit dir in den Himmel hinein“ begrüßt wurde. Der Gottesdienst durfte von der Familie sehr aktiv mitgestaltet werden und so kamen alle Enkelkinder und die „großen“ Ur-Enkel auch zu der Ehre, etwas für die Ältesten der Familie zu organisieren. Auch der älteste Sohn von den insgesamt vier Kindern ließ es sich nicht nehmen, seinen Eltern seine Bewunderung zu zeigen und eröffnete mit schönen Erinnerungen die Messe.

Die festliche Stimmung, die Predigt und die Erneuerung des Trausegens waren wunderschön und sehr emotional. Einige Bewohner des Pflegeheimes ließen es sich nicht nehmen und nahmen an der Messe teil, so wurde die Festgemeinschaft noch größer.

 

Nach all dieser Aufregung ging es zum Erinnerungsaustausch, geselliges Plaudern, Bilder betrachten und weiteren Darbietungen durch die Familie. Die älteste Ur-Enkelin, 10 Jahre jung, spielte auf ihrer Querflöte ein selbst geschriebenes Lied und die ganze Familie wurde eingebunden um den Lebenslauf der beiden 93-Jährigen in lustiger Art und Weise als Gedicht darzubieten.

Es war ein langer Tag, bis nach Mitternacht saß man noch zusammen, an Schlaf war für das Paar kaum zu denken, die Aufregung einfach viel zu groß.

70 Jahre gemeinsam einen Weg gegangen, dabei nie die Hoffnung verloren und heute noch so liebend wie damals verliebt, als nach nur einem halben Jahr Kennenlernzeit feststand, dass sie für immer zusammen bleiben möchten. Der ganze Stolz der Familie!

Text: Litza Stevermuer
Fotos: Kyra Karfurke

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