Petri Heil

von Martina Jansen (Kommentare: 0)

Petri Heil

„Pinn-Wipp!“ – der Name ist Programm

Wenn Sie dachten, Angeln wäre ein Hobby für die ältere, männliche Generation, dann irren Sie sich. Es mag sein, dass es früher so war, beim Dorstener Angelsportverein Pinn-Wipp sind jedoch Jugendliche genauso anzutreffen wie Frauen.

150 der geschätzten dreieinhalb bis fünf Millionen Angler in Deutschland sind in dem 1930 gegründeten Angelsportverein ASV Pinn-Wipp e. V. Dorsten-Holsterhausen zu Hause. Der Vereinsname Pinn-Wipp leitet sich von der Hoffnung der Angler ab, der Schwimmer (Pinn) möge wippen, denn dann hängt der Fisch am Haken.

„Unser Verein ist aufgrund des jungen Vorstandes modern geführt“, weiß Gewässerwart Alexander Heimann und seine Angelkollegen stimmen ihm zu. Der junge Vorstand mit Martin Lücke als ersten Vorsitzenden, hat neben dem Angelbetrieb auch ein Auge auf die Natur. „Nur was man kennt, kann man später auch schützen“, betont er. „Daher ist der Schutz der Gewässer, die Hege und Pflege eines artenreichen, heimischen Fischbestandes und der dazugehörigen Flora und Fauna ein wichtiger Bestandteil unserer Vereinsarbeit“, fährt Martin Lücke fort.

Foto oben rechts: Der blaue See ist ein Anglerparadies

Das Angeln im Blauen See vom Boot aus ist verboten, dennoch stiegen einige „Pinn-Wipper“ Ende März in Schlauchboote und fuhren hinaus. Allerdings hatten sie dabei nicht das Angeln im Sinn, zumindest nicht vordergründig. Während zahlreiche Vereinsmitglieder beim ersten Arbeitseinsatz in diesem Jahr das Umfeld des Sees reinigten oder die Angelplätze mit Hackschnitzeln herrichteten, brachten die Bootsfahrer, wie auch schon zum ersten Mal vor zwei Jahren, selbst gebaute Pflanzeninseln auf den Blauen See und verankerten sie dort im Schongebiet am Rande des Ostufers. Die schwimmenden Röhrichtdecken bieten der Jungbrut Schutz vor Raubvögeln und –fischen. „Ganzjährig kommen die Kormorane und würden ansonsten die komplette Brut auffressen“, weiß Kevin Keil, Geschäftsführer und Pressewart des Vereins.

Foto oben rechts: Die Röhrichtdecken werden verbunden

Mindestmaße beim Fang sorgen zusätzlich dazu, dass die Jungfische erst einmal wachsen können, eine von jedem Angler geführte Fangliste dient als Anhaltspunkt über den momentanen Bestand.

„Wir setzen Fische, die unter dem Mindestmaß liegen, natürlich wieder ein“, erklärt Oliver Stecken, seit acht Jahren Vereinsmitglied, „zudem beachten wir auch die verschiedenen Schonzeiten der Fische.“

Neben der Vereinsstrecke auf der Lippe, auf der vorwiegend Weiß- und Raubfische beißen, bietet der Blaue See in Holsterhausen seinen Mitgliedern 40 schön gelegene Angelplätze. Fast alle heimischen Fischarten finden sich hier im See. Auch der Flusskrebs ist hier heimisch, der sich seit einiger Zeit auch wieder in der Lippe angesiedelt hat.

Foto oben rechts: Einsetzen der Jungbrut in den Blauen See

Einige Fischarten bringen es im Blauen See auf eine beachtliche Größe. So wird der europäische Flusswels bis zu zwei Meter groß, der Hecht bis zu 1,20 und ein Karpfen kann schon mal ein Meter groß bei einem Gewicht von bis zu bis 40 Pfund werden. „Angler geben übrigens ihren Fang in Pfund und nicht in Kilo an, das hört sich nach mehr an“, verrät Kevin Keil schmunzelnd. Der See ist stark versandet und an vielen Stellen nur noch zwei Meter tief. Wer sich bisher vom Badeverbot im Blauen See nicht abhalten lies, tut es vielleicht jetzt, wenn er an die großen (Raub-)Fische direkt unter seinen Füßen denkt.

Fische als Wirbeltiere unterstehen dem Tierschutzgesetz. Spaßfischen ist in Deutschland verboten, da den Tieren ohne „vernünftigen Grund“ keine Schmerzen zugefügt werden dürfen.

Foto oben rechts: Alexander Heimann mit einem Prachtexemplar von einem Stör

Spaß haben die Vereinsmitglieder dennoch untereinander, insbesondere die Jugend, die stark gefördert wird. So ist der Nachwuchs auch schon gesichert. Florian Mittermayr und seine Frau Christina Grund, Jugendbetreuerin und eine der ersten Frauen im Verein, bringen regelmäßig ihre 15 Monate alte Tochter im Kinderwagen zum Angeln mit. Um den älteren Nachwuchs kümmern sich Jugendbetreuer, die sich regelmäßig pädagogisch auf Seminaren weiterbilden und den Jugendlichen die Freude am Angeln beibringen und erhalten möchten. So stehen neben dem Jugendzeltlager und dem Gemeinschaftsangeln auch der Ferienspaß in den Sommerferien auf dem Programm.

Einer der 17 Jugendlichen aus dem Verein ist der 15-jährige Leander Jochems. Er angelt seit mehr als zehn Jahren Forellen und Karpfen und ist Mitglied in vier verschiedenen Angelvereinen. Vor zwei Jahren kam er zum Holsterhausener Pinn-Wipp und fühlt sich hier wohl. „Die Angelstellen am Blauen See sind super. Ich angele gerne hier, vor allem abends, da ist es schön ruhig“, verrät Leander.

Über diese Aussage freut sich natürlich nicht nur der Gewässerwart, der regelmäßig die Wasserqualität prüft. „Wir haben daher hier einen sehr guten Fischbestand im See“, erwähnt Alexander Heimann. Davon überzeugen konnte sich beispielsweise Harald Lücke, der eine seltene Lachsforelle aus dem Wasser zog. Aber auch andere Vereinsmitglieder angelten besondere Trophäen: Vom Schlitten über Einkaufswagen und Registrierkassen bis zum Mofa hing fast alles schon an ihren Haken.

Übrigens: Die weitverbreitete Meinung, man müsse beim Angeln ruhig sein, entstammt wohl eher dem Wunsch der Angler nach Ruhe. Fische lassen sich nicht durch Lärm, sondern durch die Schallwellen beim Laufen vertreiben. Na dann: Petri Heil!

Foto oben rechts: (v. l. ) Jakob und Nils Köhler freuen sich über den Hecht, der an ihrem Haken hing

Für das Sommerferienspaßprogramm der Stadt Dorsten plant der Angelsportverein Pinn-Wipp e. V. am 27. Juli und am 17. August 2019 zwei Aktionstage für Kinder und Jugendliche, jeweils von 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr am Vereinsgewässer Blauer See in Dorsten-Holsterhausen.

Weitere Infos finden Sie der Webseite www.asv-pinnwipp.de oder am Vereinsschaukasten am See.

Foto oben rechts: Die Mitglieder des Angelvereins bei ihrem Arbeitseinsatz im März

Text: Martina Jansen
Fotos: Martina Jansen, privat

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