Jüdische Geschichte begreifbar machen

von Martina Jansen (Kommentare: 0)

Jüdische Geschichte begreifbar machen

Gesamtschüler haben mit Geocaching eine neue Art gefunden, auf die jüdische Geschichte in Schermbeck aufmerksam zu machen

Der erste Hinweis auf jüdisches Leben in Schermbeck reicht bis in das Jahr 1676 zurück. Die Gemeinde war bis in das 19. Jahrhundert klein, um das Jahr 1855 allerdings war sie mit 97 Personen die größte Landgemeinde am Niederrhein. Die Synagoge wurde während der Novemberpogrome 1938 von Angehörigen der SS und HJ verwüstet, aufgrund der Nähe zu anderen Gebäuden aber nicht niedergebrannt. Bei einem Luftangriff 1945 wurde sie schließlich zerstört.

Soweit die Geschichte in Kurzform. Wer es ausführlicher wissen möchte, hat jetzt die Gelegenheit, mithilfe der digitalen Schnitzeljagd, dem Geocaching, tiefer in die jüdische Tradition, die Familiengeschichten Schermbecker Juden einzudringen und markante Punkte im Ort zu finden. Der Geocache mit der Nummer GC81FCD ist in einer Projektarbeit von Schülerinnen und Schülern der Klassen EF und Q2 der Gesamtschule Schermbeck in Zusammenarbeit mit der Museumspädagogin des Jüdischen Museums Dorsten, Antje Thul, entstanden. Als Grundlage diente der Leitfaden „Der jüdische Friedhof in Schermbeck“. Er erinnert an das jüdische Leben in Schermbeck und informiert exemplarisch über die Geschichte. „Wir haben versucht, einen niederschwelligen Zugang zu einem schwierigen oder vergessenen Thema zu schaffen“, berichtet Antje Thul.

Foto oben rechts: Schülerinnen und Schüler sowie die beteiligten Pädagogen und Sponsoren sind gespannt, wie der Geocache bei den Schermbeckern ankommt

Um vor allem auch junge Menschen auf die Historie aufmerksam zu machen, haben sich die Jugendlichen den Geocache ausgesucht. Mithilfe eines GPS-Smartphones und einer entsprechenden App oder spezieller GPS-Geräte können anhand von Koordinaten die Punkte aufgesucht werden. Den spielerischen Teil bieten dann Fragestellungen und kleine Rechenaufgaben, die zu den nächsten Punkten führen. Startpunkt sind die Stolpersteine für die Familie Schönbach an der Georgstraße. Nach und nach erreicht man die finale Stelle, an der der so genannte Cache zu finden ist. „Wir dürfen nicht zu viel verraten, aber er liegt in der Nähe des jüdischen Friedhofes. Bewusst nicht auf dem Friedhof, um die Ruhe dort nicht zu stören“, sage Kai Heister, zuständiger Lehrer der Gesamtschule. Der Cache selbst ist lediglich eine kleine Dose mit einem Logbuch, in das sich jeder, der den Schatz gefunden hat, eintragen soll. 

Für die Schülerinnen und Schüler war bei der Erstellung neben der technische Seite auch die inhaltlichen Hintergründe und Informationen wichtig: „Die Auseinandersetzung mit der jüdischen Geschichte ist interessant, wenn sie den lokalen Bezug hat. Das macht dann richtig Spaß, wenn man die historischen Orte kennt“, beschreibt Charlotte Stamm ihre Motivation. Auch für Dommenik Giel und Nils-Niklas Fink war die Entwicklung des Caches mit viel Emotionen verbunden: „Das Wissen, das man bei den einzelnen Stationen erlangt, wird auf dem Friedhof zu einem besonderen Erlebnis. Die einzigartige Atmosphäre dort, lässt einen nicht kalt, denn die Familien haben dort ihre letzte Ruhe gefunden.“ 

Elisabeth Schulte Huxel vom Vorstand des jüdischen Museums ist den Schülerinnen und Schülern sowie den beteiligten Lehrern und Schulleiter Norbert Hohmann dankbar für die Unterstützung ihres Anliegens. Ein Besuch im Museum steht immer an, wenn der Schüleraustauch mit Polen und den jüdischen Schulen Budapest und Düsseldorf erfolgt. „Aber auch so lohnt sich ein Besuch im Museum“, sagt Norbert Hohmann. 

Weitere Infos unter www.geocaching.com, www.jmw-dorsten.de

Foto oben rechts: Die Stolpersteine der Familie Schönbach an der Georgstraße bilden den Startpunkt des Geocaches

Text und Fotos: Gundis Jansen-Gartz

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