Europäischer Gedanke durchzieht neue Asylrichtlinie

von Martina Jansen

Europäischer Gedanke durchzieht neue Asylrichtlinie

46 Schülerinnen und Schüler des Paul-Spiegel-Berufskollegs in Dorsten verhandelten in einem Planspiel die Neuregelung der europäischen Asyl- und Flüchtlingspolitik

„Ich fand es richtig gut, einen Einblick zu bekommen, wie viele verschiedene Meinungen in der gesamten EU vertreten sind und dass wir das über zwei Tage mit dem Planspiel nachstellen konnten“, erklärt Agnete Mikalauskaite, Schülerin des Paul-Spiegel-Berufskollegs in Dorsten und für einen Tag Vertreterin Spaniens im Ministerrat der EU.

Am 27. und 28. Juni durfte sie mit ihren 45 MitschülerInnen in die Rollen der politischen Akteure der Europäischen Union schlüpfen. Als Mitglieder der Europäischen Kommission, des Europäischen Parlaments, des Ministerrats oder als Interessen- und PressevertreterInnen gestalteten die Teilnehmenden in Eigenregie die europäische Politik.

Alle waren mit Elan bei der Sache und spürten, wie schwierig es sein kann, die unterschiedlichen Meinungen und Vorstellungen der politischen Lager in einem Kompromiss zu vereinen. Gemeinsam debattierten sie hitzig die verschiedenen Aspekte der europäischen Asyl- und Flüchtlingspolitik. Schwerpunkt der Abschlussdebatte war vor allem eine gerechte Verteilung der Geflüchteten in die EU-Länder unter Berücksichtigung von städtischen und ländlichen Gebieten. Weitere strittige Punkte waren Sprach- und Integrationskurse sowie der Schutz der EU-Außengrenzen. Allen Beteiligten war die Umsetzung des europäischen Gedankens besonders wichtig. Letzten Endes einigten sich der Ministerrat und das Europäische Parlament auf umfangreiche Kompromisse. In der finalen Abstimmung über die einzelnen Artikel konnte zwischen den beiden Gremien dann eine Einigung in allen Punkten gefunden werden, so dass es den Schülerinnen und Schülern gelang, ein neues Gesetz für die gesamte EU zu verabschieden.

Ziel des Planspiels war es, ein besseres Verständnis für politische Entscheidungsfindung auf europäischer Ebene unter Einbezug von verschiedenen Standpunkten und Ansichten zu vermitteln. Ich habe gemerkt, wie schwierig es ist, seine Interessen durchzusetzen, wenn man eine Minderheitenmeinung vertritt. „Mir wurde schon zugehört, aber es war schwer Einfluss auf die einzelnen Politiker zu nehmen“, so Marcel Meyer, der die Rolle eines Lobbyisten übernommen hatte.

Möglich gemacht wurde das Planspiel vom Forum Jugend und Politik der Friedrich-Ebert-Stiftung. „Bei der Simulation erfahren die jungen Leute hautnah, wie schwierig es ist, im demokratischen System für die eigene Meinung in Debatten einzutreten und Kompromisse auszuhandeln“, berichtet. Dr. Christian Steg von der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Besonderes Lob gebührte den Vorsitzenden und Vizevorsitzenden der Europäischen Institutionen. Sie hatten die Aufgabe, die Debatten anzuleiten und die verschiedenen Interessen in Einklang zu bringen. „Wir haben am eigenen Leib erfahren, wie schwer es ist, eine Einigung zu finden, mit der alle zufrieden sind. Ich denke, man sollte sich nicht so oft einfach nur über Politik und Politiker aufregen, weil es eben wirklich sehr aufwändig und anstrengend ist“, so Maike Kreter, die als Kommissionspräsidentin den finalen Vermitt-lungsausschuss anleitete.

Foto oben rechts: Die Akteure des Planspiels über die Neuregelung der europäischen Asyl- und Flüchtlingspolitik

Foto: Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn
Pressetext: Valentum Kommunikation GmbH

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