120 Jahre - 120 Bilder

von Martina Jansen (Kommentare: 0)

120 Jahre - 120 Bilder

Das ist Schwester Paula heute

Am 7. Dezember, dem 120. Geburtstag von Dorstens Ehrenbürgerin Tisa von der Schulenburg, nahmen zahlreiche Gäste an der Feier teil. Zudem hat die Tisa-Stiftung zeitgleich zu einer besonderen Ausstellung eingeladen.

Sichtlich stolz betrachten sechs Schülerinnen der Realschule St. Ursula ihre Werke. Anlässlich des 120-zigsten Geburtstags Tisa von der Schulenburgs, beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler der Klassen acht bis zehn während des Kunstunterrichtes intensiv mit den Werken der Dorstener Ehrenbürgerin. Alle 120 Exponate sind nun in der Ausstellung im Tisa Archiv auf dem Gelände der RAG in Hervest zu besichtigen.

Es ist schon erstaunlich, dass Jugendliche sich in der heutigen Zeit noch mit dieser Künstlerin auseinandersetzen. Viele kannten Schwester Paula, wie Tisa von Schulenburg auch genannt wurde, vorher nicht, sind aber jetzt durch die Bank weg beeindruckt von ihrem Leben sowie ihren Werken.

Foto oben rechts: (hinten v. l.) Lambert Lütkenhorst, Benedikt Rehling, Miriam Baumeister, Carina Nielbock und Anna Mikki. Vordere Reihe: Schülerinnen der St. Ursula Realaschule

„Jeder unserer Schüler hat sich ein Werk ausgesucht und ganz individuell umgesetzt“, berichtet Kunstlehrerin Carina Nielbock, die zusammen mit Anna Mikki, Sabine Geilmann und Benedikt Rehling das Kunstprojekt in den Jahrgängen acht bis zehn durchführte. „Wir haben dazu zwei Stadtführungen mitgemacht, um ins Thema zu kommen und natürlich hat uns auch Schwester Barbara durch das Atelier Ihrer Klosterschwester geführt. Insgesamt sind unsere Schüler überrascht davon, wo Tisas Kunst überall in Dorsten vorhanden ist“, fährt sie fort.
Das Thema „Leid“, mit dem sich die Künstlerin stark beschäftigte, ist heute noch genauso aktuell, wie an den Darstellungen der Realschülerinnen zu erkennen ist. Eine Arbeit hervorzuheben, wäre ungerecht, denn in jedem Werk steckt Individualität und Kreativität. Dennoch fällt ein Kunstwerk fällt direkt ins Auge. Es stammt von Jette und hängt für jeden sichtbar an roten Fäden mitten im Raum. „Ich finde es sehr aufregend, dass jeder Besucher es nun auf alle Fälle sehen wird“, erzählt mir die Zehntklässlerin. „Mich hat das Originalbild mit Menschen, die wie Marionetten am Arm hängen, direkt angesprochen und ich habe es auf meine Weise umgesetzt. Dass daraus nun so ein dreidimensionales Kunstwerk durch meine Lehrer entstanden ist, das macht mich schon stolz.“

Foto oben rechts: Tisa von der Schulenburg war den Bergleuten eng verbunden

„Wir haben lange überlegt, welche Werke zusammenpassen und wo sie aufgehängt werden sollten. Denn sie wirken umso ausdrucksstarker und stimmiger, wenn sie in Gemeinschaft hängen“, betont Anna Mikki. Ihr Kollege Benedikt Rehling ergänzt: „So haben wir in der Eingangshalle als Opener die Bilder des ehemaligen zehnten Jahrgangs unter Leitung der Kunstlehrerin Sabine Geilmann gewählt. Einig waren wir uns auch, dass Jettes Bild in der Ausstellung einen besonderen Platz erhalten sollte.“ Aber auch alle anderen Werke der Jugendlichen passen in die Ausstellung und vervollständigen sie. Ob Zeyneps Umsetzung der „Kriegsmalerei“ von Tisa von der Schulenburg oder Maries Zeichnung „Der Zug“, der das Thema Konzentrationslager darstellt. Dieses düstere Kapitel der Deutschen Geschichte wurde von ihr in schwarz-weiß, emotional sehr berührend gestaltet. Lias Zeichnung fällt durch ihre Schlichtheit auf. Dadurch wird die Last, die dieser Mensch zu tragen hat, noch sichtbarer und deutlicher hervorgehoben.
Miriam Baumeister, Leitung der St. Ursula Realschule, ist beeindruckt davon, wie facettenreich die Ausstellung geworden ist. „Mein besonderer Dank geht daher an meine Kolleginnen und Kollegen, dass sie sich mit so viel Herzblut und Engagement diesem Thema genähert und mit ihren Schülern über Jahrgangsstufen hinweg, diese Ausstellung realisiert haben.“

Foto oben rechts: Tisa und Ehemann Fritz Hess

Auch Lambert Lütkenhorst, erster Vorsitzender der Tisa-von-Schulenburg-Stiftung, ist allen Beteiligten dankbar. „Die Jugendlichen haben Tisas Werke zeitgemäß neu interpretiert. Ich finde, diese Ausstellung ist einer der wichtigsten, die wir hier hatten. Dafür sind wir den Lehrkräften und Schülern der Realschule St. Ursula sehr dankbar.“

Die feierliche Eröffnung mit den Künstlerinnen und Künstlern, mit ihren Familien sowie den Lehrkräften fand am 29. November statt. Im Anschluss daran wird die Ausstellung am 7. Dezember 2023 mit in die Geburtstagsfeier Tisa von der Schulenburgs mit eingebunden. Öffnungszeiten der Ausstellung entnehmen Sie bitte der Website www.tisa-stiftung.de .

Foto oben rechts: Tisa von der Schulenburg

Text: Martina Jansen
Fotos: Christian Sklenak

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